Im Wandel der Zeit III: Digitalisierung – Das Ende des klassischen Buchdrucks?

Es gibt Sprüche, die hört man so oft, dass man sie irgendwann als selbstverständlich wahrnimmt. Fängt man einen Job in der Automobilbranche an, hört man „Autos braucht man immer“. Fängt man hingegen in der Sanitärbranche an, dann bekommt man „Badezimmer braucht man immer“ zu hören. Alltägliche Sachen, für die es wohl immer Verbesserungen geben wird, sie sich im Kern aber nicht verändern. Gleiches galt für mich persönlich für Bücher und damit auch für den Buchdruck generell. Doch im Zuge der Digitalisierung ist selbst diese Jahrhunderte alte und bewährte Methode in Gefahr. Was es damit auf sich hat, erfahrt ihr nach einer kurzen Einführung in die Historie des Buchdrucks.

Buchdruck – Eine über Jahrhunderte bewährte Methode

Jeder wird schon einmal etwas über die Geschichte des Buchdrucks gehört haben. Doch bevor Gutenberg die standardisierte Form des Buchdrucks erfand, gab es schon frühere Versuche. Das mühsame Abschreiben von Schriften war lange Zeit die einzige Möglichkeit, Niederschriften zu vervielfältigen. Dies wurde meist von den Mönchen übernommen, denn sie konnten im Gegensatz zum Großteil der Menschheit Lesen und Schreiben. Doch bereits im 4. Jahrhundert gab es eine Stempeltechnik, mit der man mit Metall oder Stein Verzierungen, Muster oder Symbole einsetzte. In Ostasien wurden dann im 7. und 8. Jahrhundert vermehrt Holztafeldrucke eingesetzt: Die Schrift wurde seitenverkehrt aus dem Holz herausgeschnitten und auf feuchtem Papier anschließend abgerieben, ähnliches hat der ein oder andere im schulischen Kunst-Unterricht vielleicht schon einmal gemacht. Doch da dies zu aufwändig und platzintensiv war, hat sich diese Idee nie wirklich durchgesetzt.

Im 15. Jahrhundert entwickelte Johannes Gutenberg diese Idee dann weiter: Die Schrift wurde in einzelne Buchstaben aufgeteilt, ähnlich wie wir es von einer Tastatur kennen. Genannt wurden diese bewegliche „Lettern“. Mit diesem Verfahren wurde es möglich erstmals ganze Bücher zu drucken, das Berühmteste ist dabei natürlich die Gutenbergbibel, die insgesamt 180 Mal gedruckt worden ist. Dieses System hat noch immer Bestand, es wurde im 19. Jahrhundert im Zuge der Industrialisierung verfeinert, als erstmals Druckpressen, Setzmaschinen und schließlich Rotationsdruckmaschinen eingesetzt wurden, das Prinzip blieb aber gleich. Im 20. Jahrhundert wurde dann die Arbeit des Setzers mechanisiert. Heute wird im sogenannten „Offsetdruck“ gearbeitet, der allerdings Konkurrenz durch den „Digitaldruck“ bekommt. Beim Letzteren verzichtet man auf die Herstellung von Druckvorlagen, was Grundlage für die neue Generation „Book on Demand“ ist. Dies sind jetzt viele Fachwörter, doch kurz erklärt hilft einem dieses um leicht eigene Bücher zu veröffentlichen und verlegen. Und vielleicht beginnt damit auch eine neue Ära.

Ein neues Medium: Das Kindle

Bis vor gar nicht allzu langer Zeit war trotz aller möglichen technischen Neuerungen eines immer verschont geblieben: Das Buch. Dies änderte sich mit der Einführung des Kindle von Amazon, mit dem man erstmals ganze Bücher auf einem tragbaren Gerät einfach mit sich führen konnte. Die Idee ist dabei natürlich ganz simpel: Man hat ein Gerät zum öffnen von Dateien, ausreichend Speicher für hunderte Bücher und kann sich damit die Bücher als Textdokumente gegen einen meist kostengünstigeren Preis als die physische Version herunterladen. Das heißt man nimmt nur noch dieses eine leichte Gerät mit in den Urlaub, anstatt drei 1000seitige Romane mitschleppen zu müssen. Auch hier tut sich bei mir persönlich ein großer Zwiespalt auf, denn ich möchte Dinge, die ich kaufe, auch physisch besitzen und nicht nur digital.

Digitale Inhalte – Für Sammler ein Problem

Für Sammler ist es wie bei den CD’s in Form von Blu Ray’s o.ä.: Man besitzt seine Sammlungen, die teilweise über Jahre aufgebaut werden schließlich auch um diese zu zeigen. Schon bald besitzt dann jeder hunderte Bücher in digitaler Form, von denen er wahrscheinlich nicht einmal ein Viertel gelesen hat. Zudem gucken wir schon jetzt auf so viele Bildschirme, sei es PC, Fernseher oder Smartphone, dass es eigentlich auch mal gut tun würde, von diesen abzulassen und ein richtiges Buch zu lesen.

Tägliche und Wöchentliche Drucke vor dem Aus?

Zeitungen wie auch Zeitschriften werden vermehrt auch im Internet angeboten. In den meisten Fällen ist dies durch finanzierte Werbung auch kostenlos. Wenn es sich weiter in diese Richtung entwickelt, braucht man bald die Wochenzeitung gar nicht mehr, da man auch im Internet blitzschnell informiert ist. Für Zeitschriften sieht das Ganze nochmal ein wenig anders aus, diese haben wohl in physischer Form auf lange Sicht bessere Überlebenschancen, da sie auf bestimmte Themen spezialisiert sind, die man auf die Schnelle im Internet nicht so häufig findet.

Überlebenschancen verschiedener Bücher

Als ich vorhin über Bücher sprach, sprach ich vor allem von Romanen, Lektüren und Ähnlichem. Andere Bücher hingegen haben auch andere Zukunftsaussichten. So werden Lexika, Wörterbücher oder Enzyklopädien schon jetzt eigentlich nicht mehr benötigt, da man im Internet alle schneller finden kann und kaum noch jemand sich die Mühe macht, in einem solch dicken Werk nachzuschlagen. Andere Bücher wie zum Beispiel Kochbücher stehen auf der Kippe, werden sich wahrscheinlich aber noch ein gutes Stück halten. Ein gutes Beispiel wie die Digitalisierung in dieser Sparte vorantreibt sind Bedienungsanleitungen. Über die letzten zwei bis drei Jahre setzen sich in immer mehr Sparten die Online bzw. im Gerät integrierten Anleitungen durch. Dies wird ein Prozess sein, der nur noch ein paar Jahre dauert, bis auch die letzten Bedienungsanleitungen in digitaler Form eingesetzt werden.

Die Mut machende Prognose

Der Buchdruck wird niemals gänzlich Aussterben. Für die von mir genannten Bereiche wird es aber im Zuge der Digitalisierung einige Änderungen geben. Auf vieles wie Wörterbücher und Bedienungsanleitungen wird man wohl verzichten müssen, aber vor allem Zeitungen werden in physischer Form in den nächsten Jahren oder vielleicht doch erst Jahrzehnten Probleme bekommen. Zweiteres zumindest wird in digitaler Form noch ewig bestehen, die Frage aber wird sein ab wann sich der Druck für die Firmen nicht mehr lohnt. Eine gute Chance sehe ich hingegen bei normalen Büchern, sprich beispielsweise Romane. Mit dem Kindle wurde gezeigt wie die Zukunft aussehen kann, aber – und das ist mir wichtig anzumerken – nicht muss. Da das Kindle zunächst auch nur spärlich angenommen wurde, besteht die Hoffnung, dass diese physischen Bücher noch eine sehr lange Zeit überleben werden. Doch insgesamt muss man festhalten, dass die Digitalisierung auch vor der Historie des Buchdrucks nicht Halt macht.

Beim nächsten Mal erfahrt ihr etwas über die Entwicklung von Speichermedien. Immer mehr, immer kleiner? Ist ein Ende in Sicht?

(c) Fabian Biehl

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2 Kommentare

  1. Kristina Karolina 12. November 2014 um 17:19 Uhr - Reply

    Interessantes Thema… Gibt viel Stoff zum diskutieren. Dennoch denke ich, dass das Medium Buch an sich keinen Grund zur Sorge hat. Ein bisschen Konkurrenz hat noch nie geschadet und wahre Bücherfreunde werden auch in Zukunft noch auf die gedruckte Variante zurückgreifen…

  2. Alex De 12. November 2014 um 17:39 Uhr - Reply

    Im Moment ist der Preisvorteil für ebooks in Deutschland noch zu gering, man kann sie ja noch dem Lesen nicht wieder verkaufen. Aber selbst in USA was den Spitzenplatz einimmt bei ebooks ist das Wachstum bei 20% Marktanteil abgeflacht. Ich denke dennoch über die Generationen die damit aufwachsen, verschiebt sich das Gewicht zugunsten des ebooks.

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