Im Wandel der Zeit II: Digitalisierung – Das Ende von physischen Speichermedien?

Als bekennender Film- und Videospielfan gehöre ich desweiteren auch in die Kategorie des Sammlers. Für mich gibt es nichts Schöneres als eine Reihe von Filmen, Serien oder auch Spielen im Regal stehen zu haben und bewundern zu können. Doch leider gehöre ich damit auch einer aussterbenden Rasse an, denn im Zuge der Digitalisierung könnte all dies schneller Geschichte sein, als man denkt. Und auch zu glauben vermag.

Anfänge der CD & der Beginn von digitalen Inhalten

Ich werde nun ein wenig auf die Anfänge der CD selbst eingehen, aber nur ganz kurz, um euch nicht zu langweilen. Die Idee mithilfe eines externen Mediums Signale digital und somit optisch lesbar zu machen entstand in den 70er Jahren durch die Firma Phillips. Mit Sonys 16-Bit Technologie schafften es die beiden Großkonzerne schließlich 1982/83 die ersten CD’s samt Player zu verkaufen. Die Spieldauer war damals auf 74 Minuten begrenzt – in heutigen Zeiten undenkbar. Für den damaligen Vizepräsidenten Norio Ohga von Sony allerdings revolutionär: Er forderte die Verlängerung von den geplanten 60 Minuten auf die genannten 74 Minuten, um endlich die neunte Sinfonie von Ludwig van Bethooven in voller Länge ohne Unterbrechungen hören zu können. Ein neuer Weltstandard wurde mit der CD erschaffen, der auch heute noch Bestand hat.

Wer etwas über die genauere Geschichte des Mediums an sich – von der VHS-Kassette über DVD’s bis hin zu Blu Rays lesen möchte, der schaut sich am besten noch einmal den ersten Teil der Reihe Videotheken – Eine Jahrzehntelange Erfolgsgeschichte vor dem Aussterben? an, dort bin ich genauer auf dieses Thema eingegangen. Machen wir nun also einen kleinen Sprung in die 2000er Jahre – dem Zeitalter der Downloads. War es früher noch undenkbar Inhalte digital in großen Mengen aus dem Internet zu ziehen, so wurde durch die stetige Weiterentwicklung der Internet-Anschlüsse ein so hoher Standard geschaffen, dass selbst große Datenmengen in durchschnittlichen Haushalten in Minuten heruntergeladen werden können. So wurden zu Beginn nur kleinere Dinge wie Textdokumente, die nur wenige KB besaßen, heruntergeladen, mittlerweile werden ganze GB an Spielen oder Filmen aus dem Netz gezogen. Eine krasse Weiterentwicklung, die einem wirklich Angst bereiten kann.

Immer populärer: Illegale Streaming-Anbieter

Wie bereits im ersten Teil der Serie angesprochen, haben Videotheken einen schweren Stand, der bald gänzlich einklappen wird. Es gibt mittlerweile eine so große Vielzahl an Online-Videotheken sowie die nicht zu unterschätzenden illegalen Streaming-Dienste, die Filme und Serien kostenlos zur Verfügung stellen. Von diesen Anbietern möchte ich mich noch ein letztes Mal klar abgrenzen. „Piracy – It’s a Crime“, denn es besteht kein Unterschied, ob man etwas im Laden stiehlt oder illegal herunterlädt: Es ist und bleibt ein Verbrechen. Leider kenne ich auch im eigenen Freundeskreis genug Leute, die anders denken und keinen Pfifferling auf meine Worte geben, aber letztlich kann ich euch auch nur dazu animieren: Lasst es sein. Es schadet der Filmindustrie und ganz ehrlich: Wer möchte schon Serien wie Breaking Bad oder Game of Thrones missen? Ich nicht.

Immer unpopulärer: Herstellung der physischen Datenträger

Doch genug abgeschweift vom eigentlichen Thema. Da Videotheken und andere Anbieter immer beliebter werden, gibt es folglich auch immer weniger Leute, die diese Medien auf Datenträgern wie DVD’s oder Blu Rays kaufen. Aus Sicht der Publisher ist es natürlich auch logisch: Keine Kosten für Material wie Verpackung und CD’s, keine Produktionskosten und kein Umweg über die Händler. Daraus folgt natürlich irgendwann ein schwindendes Interesse, diese überhaupt zu veröffentlichen, denn digital fallen keine dieser Kosten an. Für den Käufer spielt hierbei wieder einmal die von mir viel zitierte Faulheit eine Rolle: Mann hat tausende Serien auf Knopfdruck, während man auf eine Blu Ray nach Kauf auch mal zwei bis drei Tage warten muss.

Entwicklung in der Spielebranche

Ein ähnliches Modell entwickelt sich auch so langsam in der Spielebranche. Während es für einige Konsolenbesitzer normal ist, Spiele regulär im Laden zu kaufen, ist dies bei PC-Spielern schon zur Seltenheit geworden. Durch Anbieter wie Steam oder Origin bekommt man Spiele deutlich unter dem Ladenpreis. Außerdem bieten auch viele Shops Codes für die Aktivierung von Spielen an, die ebenfalls wieder sehr günstig sind. Nachteil ist dabei natürlich, dass man die Spiele nach Beendigung nicht mehr verkaufen kann und man theoretisch das Geld nur für einen digitalen Inhalt ausgibt, ohne etwas dafür physisch in den Händen zu halten. Ein Gedanke, mit dem ich mich im Gegensatz zur großen Masse nicht anfreunden kann. Noch nicht ganz so extrem ist es hingegen bei den Konsolen, beispielsweise der Playstation-Sparte. Viele Spiele werden hier im SEN (Sony Entertainment Nework) für Vollpreis angeboten, wodurch diese eigentlich uninteressant für den Käufer sind und demnach wohl auch kaum Umsatz bringen werden. Geködert wird man aber durch das Playstation-Plus Angebot, wo man für ein Jahr ca. 50€ zahlt und dann monatliche einige Spiele umsonst und viele, teilweise deutlich, vergünstigt kaufen kann. Das man dieses Abonnement für die Playstation 4 mittlerweile braucht, um online spielen zu können, ist ebenfalls ein deutliches Zeichen. Läuft das Abo aber ab, sind alle kostenlosen Spiele nicht mehr spielbar. Dazu kommt, dass es schon jetzt viele, meistens kleinere, Spiele gibt, die es schon gar nicht im Laden zu kaufen gibt, sondern „download-exklusiv“ sind. Auf solche müssen wir uns wohl oder übel in Zukunft vermehrt einstellen.

Die unklare Zukunftsprognose

Bei dem Gedanken nur noch über Downloads, ohne physische Gegenleistung, zu verkehren, wird mir persönlich ganz schön mulmig. Man sieht aber auch an den genannten Beispielen, dass alle Anzeichen nur in diese eine Richtung führen können. Letztlich sind wir von diesem einschneidenden Schritt, zumindest in Vollendung, noch ein gutes Stück entfernt. Auch in zehn Jahren wird es noch Blu Rays und Spiele im Laden zu kaufen geben, da bin ich mir sicher. Doch wenn die Entwicklung so weiter geht wird man wohl bald vermehrt mit seiner Online-Video-Sammlung auf seinem Smartphone prahlen, anstatt Freunden seine liebevoll dekorierte Sammlung zu zeigen. Und wer weiß, vielleicht verschwinden in den kommenden Jahrzehnten diese Datenträger komplett von der Bildfläche und unsere Enkel werden uns beim Anblick einer CD nur mit fragenden Blicken strafen. Wollen wir nur hoffen, dass dies in weiter Zukunft liegt und alle Sammler und Blu-Ray Liebhaber noch einige Zeit mit eben diesen verbringen dürfen.

Beim nächsten Mal erfahrt ihr im dritten Teil im Wandel der Zeit: Gibt es auch das Ende des klassischen Buchdrucks?

(c) Fabian Biehl

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1 Kommentar

  1. Dominik Gorzel 5. Oktober 2014 um 10:53 Uhr - Reply

    Toller Artikel!! Genau so ist es…

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